
WordPress Multisite: Ein Netzwerk, viele Websites verwalten
WordPress Multisite ist eine Funktion, mit der du aus einer einzigen WordPress-Installation ein Netzwerk von mehreren, unabhängig verwaltbaren Websites betreiben kannst. Alle Websites teilen sich dabei denselben Programmcode und dieselbe Datenbank, können aber individuell mit Themes, Plugins und Inhalten ausgestattet werden.
Diese Funktion ist besonders für Unternehmen mit mehreren Marken, Bildungseinrichtungen, Franchise-Systeme oder Agenturen interessant, die für ihre Kunden standardisierte Website-Lösungen anbieten möchten.
Was ist WordPress Multisite genau?
Im Gegensatz zu einer normalen WordPress-Installation, bei der jede Website separat gehostet, aktualisiert und verwaltet werden muss, bündelt eine Multisite-Installation alle Websites in einem einzigen System. Die Vorteile:
- Zentrale Verwaltung: Updates von WordPress Core, Themes und Plugins müssen nur einmal durchgeführt werden – alle Websites im Netzwerk profitieren davon.
- Gemeinsame Ressourcen: Alle Websites nutzen dieselbe Datenbank und denselben Webserver-Speicher.
- Einheitliche Benutzerverwaltung: Nutzer können mit einem Login auf mehrere Websites im Netzwerk zugreifen, wenn sie entsprechende Rechte haben.
- Zentrale Theme- und Plugin-Verwaltung: Netzwerkadministratoren entscheiden, welche Themes und Plugins für einzelne Websites zur Verfügung stehen.
Subdomain vs. Subdirectory: Die zwei Multisite-Strukturen
Wenn du eine Multisite-Installation einrichtest, musst du dich zwischen zwei URL-Strukturen entscheiden:
Subdomain-Struktur
Jede Website im Netzwerk erhält eine eigene Subdomain. Beispiel:
hauptseite.deblog.hauptseite.deshop.hauptseite.deteam.hauptseite.de
Vorteile:
- Klare Trennung der Websites
- Einfacher für Nutzer zu verstehen
- Technisch flexibler bei DNS-Konfigurationen
Nachteile:
- Erfordert Wildcard-DNS-Einträge beim Hoster
- Nicht alle Hosting-Anbieter unterstützen dies ohne Aufpreis
- SEO-technisch werden Subdomains manchmal als separate Domains behandelt
Subdirectory-Struktur (Unterverzeichnisse)
Alle Websites im Netzwerk werden als Unterverzeichnisse der Hauptdomain geführt:
hauptseite.dehauptseite.de/blog/hauptseite.de/shop/hauptseite.de/team/
Vorteile:
- Keine speziellen DNS-Einstellungen nötig
- Einfacher für die meisten Hoster
- SEO-Vorteil: Alle Inhalte stärken die Authority der Hauptdomain
Nachteile:
- URL-Struktur kann bei vielen Websites unübersichtlich werden
- Weniger Flexibilität bei individuellen Domains
Wichtig: Diese Entscheidung triffst du bei der Einrichtung und kannst sie nachträglich nicht mehr ändern, ohne die gesamte Installation neu aufzusetzen.
Wann lohnt sich WordPress Multisite?
Multisite ist kein Standard-Setup für jeden. Es macht vor allem in folgenden Szenarien Sinn:
Unternehmen mit mehreren Marken oder Standorten
Wenn du mehrere Marken unter einem Dach hast (z. B. verschiedene Produkte oder regionale Niederlassungen), kannst du für jede Marke eine eigene Website im Netzwerk anlegen – mit einheitlichem Backend und zentraler Verwaltung.
Praxisbeispiel: Ein Franchise-Unternehmen mit 50 Standorten kann jedem Standort eine eigene Website geben, wobei Design und Funktionen zentral vorgegeben werden.
Hochschulen und Bildungseinrichtungen
Universitäten nutzen Multisite häufig, um für jede Fakultät, jeden Lehrstuhl oder jedes Projekt eine eigene Website bereitzustellen. Studierende und Mitarbeitende können dabei mit ihrem Uni-Login auf alle relevanten Bereiche zugreifen.
Agenturen und SaaS-Anbieter
Wenn du als Agentur standardisierte Website-Lösungen für deine Kunden anbietest, kannst du mit Multisite eine zentrale Plattform betreiben. Jeder Kunde erhält seine eigene Website im Netzwerk, du behältst aber die Kontrolle über Updates und Sicherheit.
Große Content-Portale mit unterschiedlichen Themenbereichen
Medienunternehmen oder Verlage können für verschiedene Themenbereiche (Sport, Politik, Kultur) separate Websites einrichten, die aber technisch und administrativ zusammenhängen.
WordPress Multisite einrichten: Schritt für Schritt
Die Aktivierung von Multisite erfolgt über Anpassungen in der wp-config.php und erfordert grundlegende technische Kenntnisse. So gehst du vor:
1. Backup erstellen
Bevor du an der Installation arbeitest, solltest du unbedingt ein vollständiges Backup deiner Website und Datenbank erstellen.
2. Multisite in der wp-config.php aktivieren
Öffne die Datei wp-config.php im Root-Verzeichnis deiner WordPress-Installation und füge über der Zeile /* That's all, stop editing! Happy publishing. */ folgende Zeile ein:
define('WP_ALLOW_MULTISITE', true);Speichere die Datei und lade sie erneut auf den Server hoch.
3. Netzwerk-Setup im Backend ausführen
Logge dich in dein WordPress-Backend ein. Unter Werkzeuge → Netzwerk einrichten erscheint jetzt ein neues Menü. Hier wählst du:
- Subdomain oder Subdirectory als Struktur
- Einen Netzwerktitel und eine Admin-E-Mail-Adresse
WordPress generiert dann automatisch Code-Snippets, die du in wp-config.php und .htaccess einfügen musst.
4. Code-Snippets einfügen
Kopiere die generierten Code-Zeilen und füge sie an den angegebenen Stellen in deine Konfigurationsdateien ein. Typischerweise sieht das etwa so aus:
In wp-config.php:
define('MULTISITE', true);
define('SUBDOMAIN_INSTALL', false); // true für Subdomain-Installation
define('DOMAIN_CURRENT_SITE', 'hauptseite.de');
define('PATH_CURRENT_SITE', '/');
define('SITE_ID_CURRENT_SITE', 1);
define('BLOG_ID_CURRENT_SITE', 1);In .htaccess (für Subdirectory):
WordPress fügt spezielle Rewrite-Regeln hinzu, um die verschiedenen Websites korrekt anzusteuern.
5. Erneut einloggen
Nach dem Speichern der Änderungen musst du dich neu anmelden. Du hast jetzt Zugriff auf das Netzwerkverwaltungs-Dashboard.
Das Netzwerkverwaltungs-Dashboard
Als Super-Administrator (der Hauptverwalter des Netzwerks) hast du nun deutlich mehr Rechte als ein normaler Administrator einer einzelnen Website:
- Websites: Neue Websites hinzufügen, löschen oder bearbeiten
- Benutzer: Nutzer im gesamten Netzwerk verwalten und Rollen zuweisen
- Themes: Themes netzwerkweit aktivieren oder nur für bestimmte Websites freigeben
- Plugins: Plugins netzwerkweit aktivieren oder einzelnen Websites zur Verfügung stellen
- Einstellungen: Zentrale Konfiguration für Registrierung, Upload-Limits und mehr
Einzelne Website-Administratoren haben hingegen nur Rechte innerhalb ihrer eigenen Website – sie können z. B. keine neuen Themes installieren, wenn du das nicht erlaubst.
Vorteile von WordPress Multisite
Zeitersparnis bei Wartung und Updates
Statt jede Website einzeln zu aktualisieren, führst du Updates einmal zentral durch. Das spart enorm viel Zeit, besonders wenn du 10, 20 oder mehr Websites verwaltest.
Einheitliches Design und Funktionen
Du kannst ein Theme oder Plugin-Set vorgeben, das alle Websites nutzen. Das sorgt für ein konsistentes Markenbild und reduziert Supportaufwand.
Kosteneffizienz beim Hosting
Da alle Websites dieselbe Installation nutzen, sparst du Server-Ressourcen. Du benötigst nur eine Datenbank und einen Webspace statt vieler einzelner Accounts.
Zentrales Benutzermanagement
Nutzer können sich einmal registrieren und erhalten – je nach Berechtigung – Zugriff auf mehrere Websites im Netzwerk. Das ist besonders für Mitarbeiter oder Teams praktisch.
Nachteile und Herausforderungen
Höhere technische Komplexität
Multisite erfordert mehr technisches Verständnis. Fehler in der Konfiguration können das gesamte Netzwerk lahmlegen.
Plugin-Kompatibilität
Nicht alle Plugins sind für Multisite ausgelegt. Einige funktionieren nur in Single-Site-Installationen oder verhalten sich im Netzwerk anders als erwartet.
Performance-Risiken
Wenn eine Website im Netzwerk stark belastet wird (z. B. durch hohen Traffic oder ressourcenintensive Plugins), kann das die gesamte Installation beeinträchtigen.
Eingeschränkte Flexibilität
Websites im Netzwerk sind weniger unabhängig als eigenständige Installationen. Wenn du z. B. für eine Website eine spezielle PHP-Version oder eine andere Hosting-Umgebung benötigst, wird das schwierig.
Backup- und Migrations-Komplexität
Ein Backup der gesamten Multisite umfasst alle Websites. Wenn du nur eine einzelne Website sichern oder migrieren möchtest, wird das aufwendiger.
Häufige Probleme und Lösungen
Wildcard-DNS wird nicht unterstützt
Problem: Dein Hoster erlaubt keine Wildcard-Subdomains (z. B. *.hauptseite.de), was für Subdomain-Installationen erforderlich ist.
Lösung: Nutze stattdessen die Subdirectory-Struktur oder wechsle zu einem Hoster, der Wildcard-DNS unterstützt (z. B. ALL-INKL, Hetzner, Raidboxes).
Plugins funktionieren nicht netzwerkweit
Problem: Ein Plugin, das in einer Single-Site-Installation funktioniert, macht in Multisite Probleme.
Lösung: Prüfe, ob das Plugin offiziell Multisite-kompatibel ist. Alternativ kannst du das Plugin nur für bestimmte Websites aktivieren, nicht netzwerkweit.
Upload-Limits zu niedrig
Problem: Nutzer können keine großen Dateien hochladen, weil die Standard-Limits zu restriktiv sind.
Lösung: Erhöhe die Upload-Limits unter Netzwerkverwaltung → Einstellungen → Upload-Einstellungen oder passe die php.ini an.
Fehlerhafte .htaccess führt zu 404-Fehlern
Problem: Nach der Multisite-Einrichtung führen alle Seiten zu 404-Fehlern.
Lösung: Stelle sicher, dass die Rewrite-Regeln in der .htaccess korrekt eingefügt wurden. Manchmal hilft es, die Permalinks unter Einstellungen → Permalinks erneut zu speichern.
Multisite vs. separate WordPress-Installationen
Wann solltest du mehrere separate WordPress-Installationen statt einer Multisite bevorzugen?
Nutze separate Installationen, wenn:
- Jede Website komplett unabhängig sein soll (eigenes Hosting, eigene Updates)
- Unterschiedliche Teams mit verschiedenen Technologien arbeiten
- Du maximale Flexibilität und minimale Risiken möchtest
- Performance-Isolation wichtig ist (eine langsame Website soll nicht andere beeinflussen)
Nutze Multisite, wenn:
- Du viele ähnliche Websites verwaltest
- Zentrale Kontrolle über Updates und Sicherheit gewünscht ist
- Nutzer auf mehrere Websites zugreifen sollen
- Kosteneffizienz und Wartungsaufwand entscheidend sind
Best Practices für WordPress Multisite
Teste Plugins vor dem Netzwerk-Rollout
Bevor du ein Plugin netzwerkweit aktivierst, teste es zunächst auf einer einzelnen Website. So vermeidest du, dass ein fehlerhaftes Plugin das gesamte Netzwerk beeinträchtigt.
Nutze Child-Themes
Wenn du Themes für verschiedene Websites anpassen möchtest, arbeite mit Child-Themes. So bleiben Anpassungen bei Theme-Updates erhalten.
Setze klare Benutzerrollen
Definiere genau, welche Nutzer welche Rechte haben. Super-Administratoren sollten auf eine kleine Gruppe beschränkt sein.
Überwache die Performance
Nutze Monitoring-Tools, um die Serverauslastung im Blick zu behalten. Bei hoher Last kannst du durch Caching-Plugins oder CDN-Integration gegensteuern.
Plane Backups strategisch
Automatisierte Backups sollten regelmäßig laufen und sowohl Dateien als auch die Datenbank umfassen. Teste Restore-Prozesse regelmäßig.
Multisite und DSGVO
Wenn du in Deutschland oder der EU eine Multisite-Installation betreibst, gelten dieselben DSGVO-Anforderungen wie für einzelne Websites:
- Datenschutzerklärung: Jede Website im Netzwerk sollte eine eigene, angepasste Datenschutzerklärung haben.
- Cookie-Banner: Falls Tracking-Tools oder externe Dienste genutzt werden, ist ein DSGVO-konformes Cookie-Banner erforderlich.
- Auftragsverarbeitungsverträge: Wenn verschiedene Website-Betreiber im Netzwerk existieren, prüfe, ob AVVs nötig sind.
- Nutzer-Registrierung: Nutzer müssen der Datenverarbeitung ausdrücklich zustimmen, wenn sie sich im Netzwerk registrieren.
Fazit: Ist WordPress Multisite das Richtige für dich?
WordPress Multisite ist ein mächtiges Werkzeug, wenn du mehrere Websites effizient und zentral verwalten möchtest. Die Vorteile – Zeitersparnis, Kosteneffizienz, einheitliches Management – überwiegen vor allem bei größeren Projekten mit vielen ähnlichen Websites.
Allerdings bringt Multisite auch Komplexität mit sich. Wenn du nur wenige Websites betreibst oder maximale Flexibilität und Unabhängigkeit brauchst, sind separate WordPress-Installationen oft die bessere Wahl.
Überlege dir vor der Einrichtung genau, ob dein Projekt langfristig von einem Netzwerk profitiert – und ob du oder dein Team die technischen Anforderungen erfüllen können.
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