Leichte Sprache

Verständlichkeit fängt vor der Übersetzung an

Oft ist schon der Ausgangstext unnötig kompliziert. Wir sehen uns an, was sich mit klarer Sprache erreichen lässt — und wo ein zusätzliches Angebot wirklich sinnvoll ist.

Leichte Sprache ist eine stark vereinfachte Form des Deutschen, die nach festen Regeln erstellt wird und sich an Menschen mit Lernschwierigkeiten, geringen Deutschkenntnissen oder eingeschränkter Lesefähigkeit richtet. Sie ist von der Einfachen Sprache zu unterscheiden, die weniger streng geregelt ist und eine breitere Zielgruppe anspricht. Beide ersetzen den Ausgangstext nicht, sondern ergänzen ihn.

Kurz zusammengefasst:

  • Leichte Sprache folgt festen Regeln und wird geprüft; Einfache Sprache ist eine Haltung ohne festes Regelwerk.
  • Sie ist ein Zusatzangebot, kein Ersatz für den Originaltext.
  • Zur Methode gehört die Prüfung durch die Zielgruppe.
  • Für öffentliche Stellen in Teilen verpflichtend, für private freiwillig.
  • Von den WCAG-Anforderungen zu trennen — die betreffen die Technik, nicht die Sprachstufe.

Die Unterschiede

Leichte SpracheEinfache Sprache
Regelwerkfest, ausformuliertEmpfehlungen
ZielgruppeMenschen mit Lernschwierigkeiten, geringe Lesekompetenzbreite Öffentlichkeit
Satzbauein Gedanke je Satz, keine Nebensätzekurze Sätze, wenige Verschachtelungen
Gestaltunggroße Schrift, viel Abstand, Bildernormale Gestaltung
Prüfungdurch die Zielgruppemeist redaktionell

Der letzte Punkt ist der, der Leichte Sprache von gut gemeinter Vereinfachung unterscheidet: Ein Text gilt erst dann als geprüft, wenn Menschen aus der Zielgruppe ihn gelesen und bestätigt haben.

Die wichtigsten Regeln

  • Kurze Sätze — ein Gedanke je Satz, keine Nebensätze.
  • Aktiv statt passiv, Verben statt Substantivierungen.
  • Bekannte Wörter. Fremdwörter vermeiden oder erklären.
  • Lange Wörter trennen, üblicherweise mit Bindestrich oder Mediopunkt.
  • Keine Metaphern und Redewendungen — sie werden wörtlich verstanden.
  • Konkret statt abstrakt. Beispiele statt allgemeiner Beschreibungen.
  • Klare Gestaltung: große Schrift, linksbündig, viel Abstand, keine Blocksätze.
  • Erklärende Bilder, wo sie helfen.

Nicht dazu gehört: den Inhalt verfälschen. Vereinfachen heißt, verständlich zu machen — nicht, wegzulassen, was unbequem ist.

Wer sie braucht — und wer nicht

Für öffentliche Stellen gelten in Teilen verbindliche Vorgaben: Zentrale Informationen über die Behörde und ihre Angebote sowie Hinweise zur Navigation müssen in Leichter Sprache bereitstehen. Nicht die gesamte Website, aber ein klar bestimmter Kern.

Für private Anbieter gibt es keine allgemeine Pflicht. Das BFSG und die WCAG verlangen Verständlichkeit, aber nicht Leichte Sprache im technischen Sinn. Freiwillig lohnt sie dort, wo die Zielgruppe es nahelegt — bei Angeboten im sozialen Bereich, im Gesundheitswesen, in der Verwaltungsnähe.

Umsetzung auf einer Website

  1. Auswählen, was übersetzt wird: Was macht die Organisation, welche Angebote gibt es, wie erreicht man sie, wie ist die Seite aufgebaut.
  2. Übersetzen lassen von jemandem mit Erfahrung — es ist ein eigenes Handwerk, keine Frage guten Willens.
  3. Prüfen lassen durch die Zielgruppe.
  4. Auffindbar verlinken: gut sichtbar im Kopfbereich, nicht versteckt im Footer.
  5. Technisch sauber auszeichnen — eigene Seiten mit passender Sprachauszeichnung, damit Vorleseprogramme richtig arbeiten.
  6. Mitpflegen. Eine veraltete Fassung neben aktuellen Inhalten ist schlechter als keine.

Punkt 6 wird am häufigsten unterschätzt. Leichte Sprache ist kein Projekt mit Enddatum, sondern eine zweite Fassung, die mitgepflegt werden muss.

Abgrenzung zur technischen Barrierefreiheit

Leichte Sprache und barrierefreie Technik lösen unterschiedliche Probleme. Ein Text in Leichter Sprache auf einer Seite, die sich nicht per Tastatur bedienen lässt, hilft niemandem. Umgekehrt macht eine technisch einwandfreie Seite einen Fachtext nicht verständlicher.

Beides gehört zusammen, ersetzt einander aber nicht — siehe ARIA-Label und EN 301 549.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Leichter und Einfacher Sprache?

Leichte Sprache folgt einem festen Regelwerk, richtet sich an Menschen mit Lernschwierigkeiten und wird von der Zielgruppe geprüft. Einfache Sprache ist weniger streng, spricht eine breitere Gruppe an und wird meist redaktionell erstellt.

Muss meine Unternehmenswebsite Leichte Sprache anbieten?

In der Regel nicht. Die verbindlichen Vorgaben betreffen öffentliche Stellen. Für private Anbieter ist es ein freiwilliges Angebot, das sich je nach Zielgruppe lohnen kann.

Kann ich Texte selbst übersetzen?

Für eine erste Fassung ja, für ein belastbares Ergebnis eher nicht. Leichte Sprache ist ein eigenes Handwerk mit festen Regeln, und zur Methode gehört die Prüfung durch die Zielgruppe.

Ersetzt Leichte Sprache den normalen Text?

Nein, sie ergänzt ihn. Der Originaltext bleibt bestehen; die Fassung in Leichter Sprache steht daneben und wird deutlich verlinkt.

Zählt Leichte Sprache zu den WCAG-Anforderungen?

Nicht auf der üblichen Konformitätsstufe. Die WCAG enthalten Verständlichkeitskriterien, verlangen Leichte Sprache aber erst auf der höchsten Stufe und nur unter bestimmten Bedingungen.

Was kostet das?

Abgerechnet wird meist nach Textmenge, zuzüglich der Prüfung durch die Zielgruppe. Weil nur ein Kernbestand übersetzt wird, bleibt der Umfang überschaubar — die laufende Pflege sollte man aber einplanen.

Der Autor: Tim Ehling

Über den Autor

Tim Ehling

Seit über zwei Jahrzehnten beschäftige ich mich mit Webentwicklung – und seit 2006 ganz besonders intensiv mit WordPress. Ich entwickle und optimiere Webseiten, betreue sie langfristig durch zuverlässige Wartung und biete Schulungen für alle, die WordPress sicher und effizient nutzen möchten. Außerdem unterstütze ich Unternehmen dabei, ihre Social-Media-Kanäle und SEO-Strategien so zu verbessern, dass sie bei Kunden und Suchmaschinen gleichermaßen gut ankommen.

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