WPML

WPML (WordPress Multilingual) ist eine kostenpflichtige Erweiterung, mit der sich WordPress-Websites mehrsprachig betreiben lassen. Sie verknüpft Übersetzungen einer Seite miteinander, verwaltet Sprachumschalter und setzt die technischen Auszeichnungen, die Suchmaschinen brauchen. Sie ist eine von mehreren Lösungen — und die Entscheidung fällt weniger zwischen Erweiterungen als zwischen Ansätzen.

Kurz zusammengefasst:

  • Mehrsprachigkeit ist in WordPress nicht eingebaut — sie kommt immer über eine Erweiterung.
  • Drei Ansätze: eine Installation, Multisite oder getrennte Installationen.
  • Entscheidend für SEO ist die hreflang-Auszeichnung.
  • Eine Übersetzungserweiterung ist eine tiefe Abhängigkeit — ein Wechsel ist aufwendig.
  • Der Aufwand liegt nicht in der Technik, sondern in der laufenden Pflege.

Die drei Ansätze

AnsatzGeeignet fürNachteil
Eine Installation mit Übersetzungs-Plugingleiche Inhalte in mehreren SprachenAbhängigkeit vom Plugin, mehr Last
Multisite mit einer Seite je Spracheteils abweichende Inhalte je Markthöherer Betriebsaufwand
Getrennte Installationeneigenständige Märkte, eigene Teamsalles doppelt pflegen

Für die meisten Mittelständler ist der erste Weg richtig: dieselben Inhalte, zwei bis drei Sprachen, ein Team. Die anderen lohnen erst, wenn sich die Märkte inhaltlich wirklich unterscheiden.

Der technische Kern: hreflang

Damit Suchmaschinen verstehen, dass zwei Seiten Sprachfassungen derselben Sache sind, brauchen sie eine gegenseitige Auszeichnung. Fehlt sie, konkurrieren die Fassungen miteinander, und Nutzer landen in der falschen Sprache.

Drei Regeln, an denen es in der Praxis scheitert:

  • Wechselseitig. Verweist A auf B, muss B auch auf A verweisen. Einseitige Angaben werden ignoriert.
  • Jede Fassung zeigt auch auf sich selbst.
  • Jede Sprachfassung hat ein eigenes Canonical auf sich selbst — nicht auf die Hauptsprache. Dieser Fehler nimmt die Übersetzungen faktisch aus dem Index.

Gute Erweiterungen erledigen das automatisch. Prüfen sollte man es trotzdem — im Quelltext einer übersetzten Seite ist in einer Minute erkennbar, ob die Angaben stimmen.

Was in der Praxis Arbeit macht

Die Einrichtung ist der kleinere Teil. Aufwand entsteht danach:

  1. Jede Änderung fällt doppelt an. Ein neuer Beitrag, eine geänderte Preisliste, ein neues Formular — alles in jeder Sprache.
  2. Nicht nur Inhalte. Menüs, Widgets, Formularbeschriftungen, Fehlermeldungen, Rechtstexte, Bilder mit Text.
  3. Rechtstexte je Sprache. Eine deutsche Datenschutzerklärung auf einer englischen Seite erfüllt ihren Zweck nicht.
  4. Maschinelle Übersetzung hilft beim Entwurf, nicht bei der Verantwortung. Rechtstexte und Verkaufsseiten gehören gegengelesen.
  5. Halbe Übersetzungen sind schlechter als keine — Nutzer landen mitten in einer fremden Sprache.

Deshalb die ehrliche Vorfrage: Gibt es die Kapazität, eine zweite Sprache dauerhaft zu pflegen? Wenn nicht, ist eine gute einsprachige Website die bessere Entscheidung.

Die Abhängigkeit

Eine Übersetzungserweiterung verwaltet Zuordnungen in eigenen Datenbanktabellen. Ein späterer Wechsel ist möglich, aber aufwendig — Migrationswerkzeuge gibt es, sie erfordern Sorgfalt und Nacharbeit.

Wer die Wahl noch hat, sollte deshalb auf Pflegezustand, Verbreitung und Kompatibilität mit dem eingesetzten Theme achten — mehr als auf einzelne Funktionen. Und in jedem Fall vor der Einführung auf einer Testkopie ausprobieren.

Häufige Fragen

Kann WordPress ohne Plugin mehrsprachig sein?

Nicht sinnvoll. Der Kern kennt keine Verknüpfung von Sprachfassungen. Ohne Erweiterung fehlen Zuordnung, Sprachumschalter und die nötigen Auszeichnungen.

Ist WPML die beste Lösung?

Es ist eine etablierte, aber nicht die einzige. Wichtiger als die Wahl ist, dass die Erweiterung gepflegt wird, zum Theme passt und die technischen Auszeichnungen korrekt setzt.

Reicht eine automatische Übersetzung?

Als Entwurf oft ja, als Endstand selten. Rechtstexte, Verkaufsseiten und alles Fachliche gehören gegengelesen. Eine erkennbar maschinelle Übersetzung schadet dem Eindruck mehr, als die zweite Sprache nützt.

Wie verhindere ich Duplicate Content zwischen Sprachen?

Über korrekte hreflang-Angaben und ein Canonical, das je Sprachfassung auf sich selbst zeigt. Ein Canonical, das auf die Hauptsprache verweist, nimmt die Übersetzungen aus dem Index.

Was kostet Mehrsprachigkeit?

Die Lizenz ist der kleinere Posten. Der Hauptaufwand ist die laufende Pflege — jede Änderung fällt in jeder Sprache an, samt Menüs, Formularen und Rechtstexten.

Kann ich später die Sprache wieder entfernen?

Ja, aber die Adressen der übersetzten Seiten verschwinden dann. Ohne Weiterleitungen entstehen Fehlerseiten für alles, was bereits verlinkt oder indexiert war.

Zweite Sprache geplant?

Wir klären vorher, welcher Ansatz zu eurem Fall passt und was die Pflege realistisch kostet — bevor die Entscheidung technisch festgelegt ist.

Der Autor: Tim Ehling

Über den Autor

Tim Ehling

Seit über zwei Jahrzehnten beschäftige ich mich mit Webentwicklung – und seit 2006 ganz besonders intensiv mit WordPress. Ich entwickle und optimiere Webseiten, betreue sie langfristig durch zuverlässige Wartung und biete Schulungen für alle, die WordPress sicher und effizient nutzen möchten. Außerdem unterstütze ich Unternehmen dabei, ihre Social-Media-Kanäle und SEO-Strategien so zu verbessern, dass sie bei Kunden und Suchmaschinen gleichermaßen gut ankommen.

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