Storytelling

Die guten Geschichten stehen selten auf der Website

Wir sammeln, was bei euch im Alltag passiert, und machen daraus Inhalte, die man nicht kopieren kann.

Storytelling ist die Vermittlung von Inhalten über eine erzählerische Struktur — mit Ausgangslage, Konflikt und Auflösung — statt über eine Aufzählung von Eigenschaften. Im Marketing dient es dazu, abstrakte Leistungen greifbar zu machen und Vertrauen aufzubauen. Es funktioniert, weil Menschen sich Zusammenhänge deutlich besser merken als Einzelangaben. Es funktioniert nicht, wenn die Geschichte erfunden ist.

Kurz zusammengefasst:

  • Struktur statt Aufzählung: Ausgangslage, Problem, Wendung, Ergebnis.
  • Der Kunde ist die Hauptfigur, nicht das Unternehmen.
  • Konkret schlägt allgemein — Namen, Zahlen, Situationen.
  • Ehrlichkeit ist Voraussetzung, nicht Zusatz.
  • Wirkt besonders dort, wo Leistungen erklärungsbedürftig sind.

Warum es wirkt

Eine Aufzählung von Leistungsmerkmalen wird gelesen und vergessen. Eine Geschichte über jemanden, dessen Website nach einem Angriff drei Tage offline war, bleibt hängen — weil sie eine Situation beschreibt, in die man sich hineinversetzen kann.

Für erklärungsbedürftige Dienstleistungen ist das besonders relevant. „Wir bieten WordPress-Wartung“ sagt wenig. Der Bericht darüber, wie ein Befall vier Wochen unentdeckt blieb, obwohl ein Sicherheits-Plugin lief, macht in drei Sätzen deutlich, worum es geht.

Die Struktur

TeilFrage
AusgangslageWer, in welcher Situation?
ProblemWas ging schief oder fehlte?
WendungWas wurde getan?
ErgebnisWas ist jetzt anders — möglichst mit Zahl?
ÜbertragungWas heißt das für den Lesenden?

Der entscheidende Kunstgriff: Die Hauptfigur ist der Kunde, nicht das Unternehmen. Das eigene Haus ist die Figur, die hilft — nicht der Held. Wer sich selbst in den Mittelpunkt stellt, erzeugt eine Selbstdarstellung, keine Geschichte.

Wo es auf einer Website hingehört

  • Startseite: eine Situation statt einer Behauptung im Einstieg.
  • Leistungsseiten: ein konkreter Fall statt einer weiteren Aufzählung.
  • Referenzen: die natürliche Form — Ausgangslage, Aufgabe, Lösung, Ergebnis.
  • Über uns: warum es das Unternehmen gibt, statt einer Chronik.
  • Blog: Praxisfälle sind die Beiträge, die geteilt und verlinkt werden.

Der letzte Punkt hat einen SEO-Nebeneffekt: Erlebte Fälle enthalten Details, die es sonst nirgends gibt. Genau solche Inhalte werden verlinkt — und von KI-Systemen zitiert, weil sie nicht aus allgemeinem Wissen erzeugbar sind.

Was schiefgeht

  1. Erfundene Geschichten. Der erfundene „Kunde Herr M.“ wirkt sofort unecht. Wer keinen echten Fall hat, sollte keinen erzählen.
  2. Zu allgemein. „Ein Kunde hatte Probleme mit seiner Website“ ist keine Geschichte. Konkret werden: Branche, Ausgangslage, Zahl.
  3. Das Unternehmen als Held. Erzeugt Selbstdarstellung statt Identifikation.
  4. Kein Ergebnis. Ohne Auflösung fehlt der Punkt.
  5. Storytelling um jeden Preis. Eine Preisliste braucht keine Erzählung. Wer alles in Geschichten verpackt, verlängert nur die Wege.

Punkt 1 verdient Betonung, weil er häufig übersehen wird: Erfundene Fallbeispiele sind nicht nur wirkungslos, sondern bei konkreten Erfolgsangaben auch wettbewerbsrechtlich angreifbar.

Woher die Geschichten kommen

Fast jedes Unternehmen hat sie und hält sie für unspektakulär. Ergiebige Quellen: der Fall, der beinahe schiefgegangen wäre. Die Anfrage, die alle im Team erzählt haben. Der Kunde, der mit einem Problem kam und mit einem anderen ging. Der Fehler, aus dem man etwas gelernt hat.

Gerade der letzte funktioniert überraschend gut. Ein offen erzählter eigener Fehler wirkt glaubwürdiger als jede Erfolgsmeldung — und ist der Inhalt, den Wettbewerber nicht kopieren können. Wichtig dabei: Einverständnis einholen, bevor Kundennamen oder erkennbare Details genannt werden.

Häufige Fragen

Funktioniert Storytelling auch im B2B?

Ja, oft besser als im Endkundengeschäft. Erklärungsbedürftige Leistungen brauchen Anschauung, und Entscheider erinnern sich an Fälle, nicht an Merkmallisten.

Darf ich Fallbeispiele erfinden?

Nein. Sie wirken erkennbar unecht und sind bei konkreten Erfolgsangaben wettbewerbsrechtlich angreifbar. Ohne echten Fall lieber sachlich bleiben.

Wie lang sollte eine Geschichte sein?

So kurz wie möglich. Auf einer Leistungsseite genügen oft drei bis fünf Sätze. Ausführlichkeit ist etwas für Referenzen und Blogbeiträge.

Brauche ich die Zustimmung meiner Kunden?

Sobald Namen oder erkennbare Details genannt werden, ja. Bei anonymisierten Fällen sollte die Anonymisierung tatsächlich greifen — Branche und Region machen ein Unternehmen oft schon identifizierbar.

Passt Storytelling zu SEO?

Gut, sofern die Struktur stimmt. Suchmaschinen und KI-Systeme brauchen klare Überschriften und Antworten — eine Geschichte kann beides tragen, wenn sie gegliedert ist statt als Fließtext dahinzulaufen.

Was, wenn wir keine spannenden Fälle haben?

Fast immer gibt es sie, sie gelten nur intern als selbstverständlich. Der Fall, der beinahe schiefging, und der Fehler, aus dem man gelernt hat, sind die ergiebigsten Quellen.

Der Autor: Tim Ehling

Über den Autor

Tim Ehling

Seit über zwei Jahrzehnten beschäftige ich mich mit Webentwicklung – und seit 2006 ganz besonders intensiv mit WordPress. Ich entwickle und optimiere Webseiten, betreue sie langfristig durch zuverlässige Wartung und biete Schulungen für alle, die WordPress sicher und effizient nutzen möchten. Außerdem unterstütze ich Unternehmen dabei, ihre Social-Media-Kanäle und SEO-Strategien so zu verbessern, dass sie bei Kunden und Suchmaschinen gleichermaßen gut ankommen.

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