Karriereseite erstellen: 10 Bausteine, die Bewerber überzeugen

17. April 2023 Tim Ehling

Kurz gesagt: Eine Karriereseite ist der Bereich deiner Website, auf dem Bewerber offene Stellen finden, dich als Arbeitgeber kennenlernen und sich bewerben. Für kleine und mittlere Betriebe reicht meist eine gut gebaute Unterseite plus eine eigene Seite je Stelle. Entscheidend sind konkrete Angaben statt Werbesprache: Aufgaben, Arbeitsort, Gehaltsspanne, eine echte Ansprechperson und eine Bewerbung, die in wenigen Minuten auf dem Handy geht. Mit strukturierten Daten erscheinen deine Stellen zusätzlich in der Jobsuche von Google.

Du schaltest Anzeigen bei Jobportalen, aber die Bewerbungen bleiben aus? Viele Interessenten schauen sich vor der Bewerbung die Website des Betriebs an. Finden sie dort nur „Wir suchen dich!“ und eine PDF-Anzeige vom letzten Jahr, bewerben sie sich woanders. Hier steht, was eine Karriereseite braucht, damit aus Besuchern Bewerber werden.

Was ist eine Karriereseite?

Die Karriereseite ist ein eigener Bereich der Unternehmenswebsite rund um Stellen, Arbeitgeber und Bewerbung. Das Ziel: aus interessierten Besuchern Bewerbende machen (KOFA, Karriereseite erstellen). Jobportale und Social Media bringen Reichweite. Die Karriereseite ist der Ort, an dem sich jemand entscheidet.

Bei kleinen und mittleren Unternehmen ist sie meist eine kompakte Unterseite im Hauptmenü, die alles bündelt: offene Stellen, Einblicke ins Team, Benefits und den Weg zur Bewerbung. Ein eigenes Karriereportal brauchst du erst, wenn du laufend viele Stellen an mehreren Standorten besetzt.

Die 10 Bausteine einer guten Karriereseite

1. Jede Stelle auf einer eigenen Unterseite

Gib jeder offenen Stelle eine eigene Seite mit eigener Adresse, zum Beispiel „/karriere/anlagenmechaniker-shk/“. So kannst du die Stelle direkt in Jobportalen, bei Social Media oder per Messenger verlinken, und Suchmaschinen finden sie einzeln. Eine Liste aller Stellen auf einer Seite ersetzt das nicht. Nimm in Titel und Adresse den Begriff, den Bewerber wirklich suchen: „Anlagenmechaniker SHK“, nicht „Technischer Allrounder (m/w/d)“.

2. Eine Stellenanzeige mit klaren Fakten

Bewerber wollen in kurzer Zeit wissen, ob die Stelle zu ihnen passt. Diese Angaben gehören in jede Anzeige:

  • Aufgaben im Alltag, in drei bis fünf Punkten
  • Anforderungen, getrennt nach „brauchst du“ und „schön wäre“
  • Arbeitsort, Arbeitszeit, Teilzeit oder Vollzeit, Homeoffice ja oder nein
  • Starttermin und Befristung

Die Anzeige muss neutral formuliert sein. Eine Stelle darf nicht so ausgeschrieben werden, dass sie zum Beispiel ein Geschlecht oder eine Altersgruppe benachteiligt (§ 11 AGG). Deshalb steht hinter dem Stellentitel meist „(m/w/d)“, und Formulierungen wie „junges Team sucht Verstärkung“ fliegen raus.

3. Gehalt oder Gehaltsspanne

Eine Gehaltsangabe beantwortet die Frage, die sich jeder Bewerber zuerst stellt. Bald ist sie ohnehin Pflicht: Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie verlangt, dass Bewerbende das Einstiegsgehalt oder die Gehaltsspanne vor dem Vorstellungsgespräch erfahren. Deutschland hat die Umsetzungsfrist vom 7. Juni 2026 verpasst, ein deutsches Gesetz gibt es noch nicht (Stand Oktober 2026, navit, Entgelttransparenzgesetz). Wer die Spanne schon jetzt in die Anzeige schreibt, muss später nichts umbauen.

4. Eine Bewerbung in wenigen Minuten

Jedes Pflichtfeld kostet dich Bewerbungen. Frag dich bei jedem Schritt, ob du ihn für die erste Kontaktaufnahme wirklich brauchst (KOFA):

  • Kurzbewerbung: Name, Telefonnummer oder E-Mail, optional der Lebenslauf. Den Rest klärt ihr im Gespräch.
  • Kein Anschreiben als Pflicht: Für viele Berufe im Handwerk und in der Pflege sagt ein Anruf mehr.
  • Upload vom Handy: Der Lebenslauf liegt oft als PDF oder Foto auf dem Smartphone. Das Formular muss beides annehmen.
  • Initiativbewerbung: Ein eigener Weg für alle, die keine passende Stelle finden.

5. Eine echte Ansprechperson

Nenne einen Menschen mit Namen, Foto, Telefonnummer und E-Mail-Adresse, keine Sammeladresse wie „jobs@“ ohne Gesicht. Wer zögert, ruft lieber kurz an, als ein Formular abzuschicken. Schreib dazu, wann diese Person gut erreichbar ist.

6. Einblicke ins Team

Bewerber wollen wissen, mit wem sie arbeiten. Zeig echte Fotos aus dem Betrieb statt Bildern aus der Datenbank, stell Teammitglieder kurz vor und lass sie in zwei, drei Sätzen erzählen, was sie an ihrer Arbeit mögen. Hol dir für jedes Foto und jedes Zitat die Zustimmung der Person. Was dabei rechtlich gilt, steht in unserem Artikel zu User-Generated Content.

7. Benefits, die man prüfen kann

„Flache Hierarchien“ und „ein tolles Team“ schreibt jeder. Konkret wird es mit Angaben, die man nachprüfen kann:

  • Urlaubstage, Arbeitszeitmodell, Überstundenregelung
  • Zuschüsse wie Jobrad, Deutschlandticket oder betriebliche Altersvorsorge
  • Weiterbildung: was, wie oft, wer zahlt
  • Ausstattung: Firmenwagen, Werkzeug, Arbeitskleidung

8. Ein Bewerbungsablauf ohne Rätsel

Beschreib in drei bis vier Schritten, was nach dem Absenden passiert: Eingangsbestätigung, Rückmeldung innerhalb einer Frist, die du einhalten kannst, Gespräch, Probearbeit. Wer weiß, was ihn erwartet, bewirbt sich eher und springt seltener ab.

9. Mobil und barrierearm

Viele Bewerber schauen sich Stellen zuerst auf dem Smartphone an. Texte müssen dort lesbar, Buttons gut treffbar und das Formular ohne Zoomen ausfüllbar sein. Wie das geht, erklärt unser Artikel zu responsivem Webdesign. Achte auch auf Kontraste, beschriftete Formularfelder und eine Bedienung per Tastatur, damit sich auch Menschen mit Einschränkungen bewerben können. Die Regeln dafür stehen in den WCAG-Richtlinien.

10. In der Google-Jobsuche sichtbar

Google zeigt Stellen in einer eigenen Jobsuche, wenn die Stellenseite strukturierte Daten vom Typ JobPosting enthält. Drei Regeln aus Googles Dokumentation sind für kleine Betriebe wichtig (Google Search Central, JobPosting):

  • Die Auszeichnung gehört auf die Seite einer einzelnen Stelle, nicht auf eine Übersicht mit vielen Stellen.
  • Ist eine Stelle besetzt, muss sie aus den Daten verschwinden, etwa über ein Ablaufdatum in der Vergangenheit oder indem du die Seite entfernst. Wer abgelaufene Stellen stehen lässt, riskiert eine manuelle Maßnahme von Google.
  • Google empfiehlt für Stellenseiten die Indexing API statt der Sitemap, damit neue und gelöschte Stellen schneller erfasst werden. Die Indexing API ist ausdrücklich nur für Stellenanzeigen und Livestreams gedacht (Google Search Central, Indexing API).

Wie strukturierte Daten in WordPress eingebaut werden, steht in unserem Artikel zu strukturierten Daten.

Datenschutz im Bewerbungsformular

Ein Bewerbungsformular verarbeitet sensible Daten. Diese Punkte solltest du klären, bevor es online geht:

  • Das Formular läuft über eine verschlüsselte Verbindung (HTTPS).
  • Bewerbungen landen nur bei den Personen, die sie bearbeiten, nicht in einem Sammelpostfach für alle.
  • Ein Hinweis am Formular erklärt, wofür die Daten verwendet werden und wann sie gelöscht werden.
  • Nach einer Absage werden die Unterlagen gelöscht, sobald keine Ansprüche mehr drohen. Abgelehnte Bewerber können Ansprüche wegen Benachteiligung innerhalb von zwei Monaten nach Zugang der Absage geltend machen (§ 15 Abs. 4 AGG). Wie lange du danach noch aufbewahrst, klärst du am besten mit deinem Datenschutzbeauftragten.
  • Willst du Unterlagen für spätere Stellen behalten, frag vorher um Erlaubnis.

Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung.

Unterseite, Bewerbermanagement oder nur Jobportal?

Weg

Gut für

Grenzen

Karriereseite als Teil deiner Website

Betriebe mit wenigen Stellen im Jahr

Stellen pflegst du selbst im CMS

Bewerbermanagement-Software mit eigener Stellenseite

Betriebe mit vielen Stellen und mehreren Beteiligten

laufende Lizenzkosten, Design oft nur begrenzt anpassbar

Nur Jobportale

kurzfristige Reichweite

Bewerber prüfen dich trotzdem auf deiner Website

Für die meisten kleinen Betriebe ist die Unterseite der richtige Start. Wächst die Zahl der Stellen, lässt sich eine Bewerbermanagement-Software später anbinden.

Checkliste für deine Karriereseite

Baustein

Erledigt, wenn

Stellen

jede Stelle hat eine eigene Seite mit Suchbegriff im Titel

Anzeige

Aufgaben, Anforderungen, Ort, Arbeitszeit stehen drin, neutral formuliert

Gehalt

Einstiegsgehalt oder Spanne ist genannt

Bewerbung

Kurzbewerbung in wenigen Minuten, auch vom Handy

Ansprechperson

Name, Foto, Telefon, E-Mail

Team

echte Fotos und Stimmen, mit Zustimmung

Benefits

konkret und prüfbar

Ablauf

Schritte und Rückmeldefrist beschrieben

Technik

mobil bedienbar, barrierearm, HTTPS

Google

JobPosting-Daten je Stelle, besetzte Stellen entfernt

Datenschutz

Hinweis am Formular, Löschung geregelt

Häufige Fragen zur Karriereseite

Was gehört auf eine Karriereseite?

Offene Stellen mit je eigener Seite, konkrete Angaben zu Aufgaben, Ort, Arbeitszeit und Gehalt, eine einfache Bewerbungsmöglichkeit und eine Ansprechperson. Dazu kommen Einblicke ins Team, prüfbare Benefits und ein beschriebener Bewerbungsablauf.

Brauche ich als kleiner Betrieb eine eigene Karriereseite?

Ja, sobald du regelmäßig Personal suchst. Viele Bewerber schauen sich vor der Bewerbung die Website des Betriebs an. Eine einzelne, gut gepflegte Unterseite reicht für den Anfang völlig.

Wie komme ich mit meinen Stellen in die Google-Jobsuche?

Jede Stellenseite braucht strukturierte Daten vom Typ JobPosting. Die Auszeichnung gehört auf die Seite der einzelnen Stelle. Besetzte Stellen musst du aus den Daten entfernen, sonst droht eine manuelle Maßnahme von Google.

Muss ich das Gehalt in der Stellenanzeige angeben?

Heute ist das in Deutschland für private Arbeitgeber noch keine gesetzliche Pflicht. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie verlangt aber, dass Bewerbende das Einstiegsgehalt oder die Spanne vor dem Vorstellungsgespräch erfahren. Ein deutsches Umsetzungsgesetz steht noch aus.

Wie lange darf ich Bewerbungsunterlagen aufbewahren?

So lange, wie du sie für das Verfahren und die Abwehr möglicher Ansprüche brauchst. Abgelehnte Bewerber können Ansprüche wegen Benachteiligung innerhalb von zwei Monaten nach der Absage geltend machen. Die genaue Frist legst du am besten mit deinem Datenschutzbeauftragten fest.

Karriereseite oder Jobportal, was ist besser?

Beides zusammen. Jobportale bringen Reichweite, die Karriereseite überzeugt. Verlinke in jeder Portal-Anzeige auf die passende Stellenseite deiner Website, dann landen Interessenten bei dir und nicht bei der nächsten Anzeige.

Fazit: Konkrete Angaben schlagen Werbesprache

Eine gute Karriereseite muss nicht groß sein, aber die Fragen beantworten, die sich jeder Bewerber stellt: Was mache ich da, wo, wann, für wie viel Geld, und wen rufe ich an? Wer das klar beantwortet und die Bewerbung leicht macht, bekommt mehr passende Bewerbungen. Fang mit diesen Schritten an:

  • jede offene Stelle auf eine eigene Seite stellen
  • Gehaltsspanne und Ansprechperson ergänzen
  • das Bewerbungsformular auf wenige Pflichtfelder kürzen
  • JobPosting-Daten einbauen und besetzte Stellen sofort entfernen

Die Karriereseite ist ein Teil deiner Website und funktioniert nur so gut wie die Website selbst. Wir bauen Websites für kleine und mittlere Unternehmen, auf denen eine Karriereseite mit Stellenseiten, Bewerbungsformular und strukturierten Daten von Anfang an mitgeplant ist. Du willst wissen, wo deine Website heute steht? Im kostenlosen Website-Check schauen wir gemeinsam drauf.

Der Autor: Tim Ehling

Über den Autor

Tim Ehling

Seit über zwei Jahrzehnten beschäftige ich mich mit Webentwicklung – und seit 2006 ganz besonders intensiv mit WordPress. Ich entwickle und optimiere Webseiten, betreue sie langfristig durch zuverlässige Wartung und biete Schulungen für alle, die WordPress sicher und effizient nutzen möchten. Außerdem unterstütze ich Unternehmen dabei, ihre Social-Media-Kanäle und SEO-Strategien so zu verbessern, dass sie bei Kunden und Suchmaschinen gleichermaßen gut ankommen.

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