Ein CDN (Content Delivery Network) ist ein Verbund aus Servern an vielen Standorten, die Kopien von Website-Dateien vorhalten und jede Anfrage möglichst nah am Besucher beantworten. Das verkürzt Wege und entlastet deinen eigenen Server. Dein Hosting ersetzt es nicht: Der Ursprungsserver bleibt die Quelle der Inhalte.

Kurz zusammengefasst:

  • Kopien liegen auf verteilten Servern, die Originale bleiben beim Hoster.
  • Hilft vor allem bei weit verteilten Besuchern und Lastspitzen.
  • Löst keine langsame Website, wenn die Ursache im Server oder in der Seite selbst liegt.
  • Private Inhalte wie Warenkorb oder Kundenkonto gehören nicht in den CDN-Cache.
  • Besucherdaten laufen über einen weiteren Anbieter, das betrifft den Datenschutz.

Wie ein CDN arbeitet

Ohne CDN fragt jeder Browser direkt bei deinem Server an. Mit CDN landet die Anfrage zuerst bei einem nahen Server des Netzes. Liegt dort schon eine Kopie, kommt sie sofort zurück. Liegt keine vor, holt das CDN die Datei beim Ursprungsserver, liefert sie aus und merkt sie sich für die nächste Anfrage. Das Prinzip kennst du vom Cache, hier verteilt auf viele Standorte.

Google beschreibt den Effekt auf web.dev so: Gecachte Dateien müssen nicht mehr den ganzen Weg zum Ursprungsserver gehen, und die Server des Netzes stehen näher am Nutzer. Beides senkt die Wartezeit und entlastet deinen Server. Deshalb kann die Time to First Byte sinken, die wiederum bei der Diagnose der Core Web Vitals hilft.

Manche Anbieter arbeiten dabei als sogenannter Reverse Proxy, zum Beispiel Cloudflare. Besucher sprechen dann nur noch mit dem Netz des Anbieters, und auch Angriffe mit massenhaften Anfragen treffen zuerst dieses Netz statt deinen Server.

Was gut in ein CDN passt und was nicht

InhaltEignung
Bilder, CSS, JavaScript, Schriftengut, ändern sich selten
Fertige HTML-Seiten ohne Personalisierungmöglich, Aktualisierung muss geregelt sein
Häufig wechselnde Inhaltenur mit kurzer Speicherzeit oder gezieltem Leeren
Warenkorb, Kundenkonto, Daten einzelner Nutzernicht cachen

Die Daten einzelner Nutzer dürfen laut web.dev nicht im CDN-Cache landen. Bei Shops und Mitgliederbereichen ist das der Punkt, den du vor dem Einschalten klärst. Falsch eingestellt, sieht im schlimmsten Fall ein Besucher die Daten eines anderen.

Was das für deinen Betrieb heißt

Ein Betrieb, dessen Kunden im Umkreis von 50 Kilometern sitzen und dessen Hoster in Deutschland steht, gewinnt durch kürzere Wege wenig. Hier bringen Ladegeschwindigkeit durch kleinere Bilder, weniger Plugins und ein passendes Hosting oft mehr. Das ist eine Einschätzung, keine Messung: Prüfen lässt es sich nur an deiner Seite.

Anders sieht es aus, wenn du international verkaufst, viele Medien auslieferst oder Lastspitzen hast, etwa nach einer Kampagne. Dann lohnt der Vergleich. Rechne auch die Einrichtung und die zusätzliche Fehlerquelle mit ein: Ein CDN ist ein weiterer Dienst, der ausgeliefert, gepflegt und im Fehlerfall verstanden werden muss.

CDN und Datenschutz

Beim Abruf über ein CDN geht die IP-Adresse des Besuchers an den Anbieter. Das Landgericht München I hat am 20.01.2022 (3 O 17493/20) eine dynamische IP-Adresse als personenbezogenes Datum gewertet und einem Kläger 100 € Schadensersatz zugesprochen, weil eine Website sie ohne Einwilligung an Google weitergab. Das Urteil betraf Google Fonts und nicht CDNs allgemein, zeigt aber, worauf es ankommt.

Prüfe deshalb vor dem Einsatz, wo der Anbieter sitzt, ob ein Auftragsverarbeitungsvertrag nötig ist und wie der Dienst in deiner Datenschutzerklärung steht. Wie das im Einzelfall zu bewerten ist, klärst du am besten mit einem Datenschutzfachmann.

Häufige Fragen

Brauche ich ein CDN für meine Website?

Nicht zwingend. Bei regionalen Besuchern und einem Hoster in der Nähe ist es selten das Erste, was du angehen solltest. Bei weltweiten Besuchern oder hoher Last lohnt der Blick.

Ersetzt ein CDN mein Hosting?

Nein. Das CDN holt seine Inhalte vom Ursprungsserver. Deine Website, ihre Datenbank und alle Änderungen bleiben beim Hoster.

Macht ein CDN meine Website automatisch schneller?

Es verkürzt die Wege, kann aber kein überladenes Theme und keine zu großen Bilder reparieren. Miss vorher und nachher, statt dich auf die Werbeaussage zu verlassen.

Warum sehe ich nach einer Änderung noch den alten Stand?

Das CDN liefert vermutlich noch eine gespeicherte Kopie aus. Dann musst du die betroffene Datei oder Seite im Cache des Anbieters leeren.

Schützt ein CDN vor Angriffen?

Anbieter mit Reverse Proxy fangen massenhafte Anfragen ab, bevor sie deinen Server erreichen. Eine Sicherheitslücke in einem Plugin schließt das aber nicht.

Bringt ein CDN bei dir überhaupt etwas?

Wir schauen gemeinsam drauf, wo deine Website Zeit verliert und ob das Netz dort helfen würde.

Der Autor: Tim Ehling

Über den Autor

Tim Ehling

Seit über zwei Jahrzehnten beschäftige ich mich mit Webentwicklung – und seit 2006 ganz besonders intensiv mit WordPress. Ich entwickle und optimiere Webseiten, betreue sie langfristig durch zuverlässige Wartung und biete Schulungen für alle, die WordPress sicher und effizient nutzen möchten. Außerdem unterstütze ich Unternehmen dabei, ihre Social-Media-Kanäle und SEO-Strategien so zu verbessern, dass sie bei Kunden und Suchmaschinen gleichermaßen gut ankommen.

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